Calamitates

3. November 2009 - Leave a Response

Wer mehr über das Leben deutscher Assistenzärzte wissen möchte, findet auf einem vergnüglichen Youtubekanal mit kreativem Aufwand gedrehte Videos direkt aus der Kampfzone. Wer eher auf Realsatire steht, wird die kleine Serie eines öffentlich rechtlichen Senders mögen, die, vermutlich mal ernstgemeint, voll unfreiwilliger Komik daherkommt.

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Monsterdoc

3. November 2009 - Eine Antwort

Vergeblich versuchte sie unter Vollzeug zu entkommen. Bunte windgefüllte Segel, schnittige Linien, Stilelemente verschiedener Epochen, eine Fregatte, die schon viele Meere befahren hat. Auf der Brücke ein kreativer Kapitän, der sich auch für musikalische Ausflüge an den herbstlichen Gestaden des Bodensees nicht zu schade ist. Ein bunter Vogel, der die Niederungen des Heldentums deutscher Hausärzte gut zu kennen scheint. Weniger Monster als listiger Freibeuter mit Kaperbriefen vieler Herren. Auf den Decks barocke Ware, Tand, Kitsch, Dinge von Wert, ironische Kanonen, zynische Kartätschen, kostbare Säbel und hier und da ein filigranes Florett. Ein Schiff, dass regelmässig gekapert werden möchte, wie die Kuh, die man melkt, nicht schlachtet, weil man zwischen all dem Bunten immer wieder vielversprechendes zu finden glaubt.

Werftgarantie

3. November 2009 - Leave a Response

Der freundliche alte Herr hatte Kopfschmerzen, leicht, seit dem Morgen. Die Dame mittleren Alters zwickte der Rücken, nachdem sie am Vortag ungeschickt mit dem Wäschekübel jongliert hatte. Beiden war gemeinsam, dass die naheliegende Erklärung sie nicht überzeugte. Sie wollten Gewissheit. „Können Sie garantieren, dass ich keinen Krebs habe, Herr Doktor“. Heiliger Klabautermann. Man geht regelmässig nachlässig über vielbefahrene Strassen, hier und da auch mal bei Rot; Ferienreisen mit Auto, Bahn und Aeroplan, exzessive Sonnenbäder, Wein, Weib, Gesang, Adipositas, konsequente Medikamenteneinahme nur in der Woche vor dem Arzttermin, Hausarbeit – aber beim Arzt soll es eine Garantie geben für das Lebensrisiko? Schlechte Nachrichten: Das Leben ist eines der gefährlichsten, meist endet es tödlich.

Landarzt

31. Oktober 2009 - Leave a Response

Fast schien es, als hätte man sich diesmal gefährlich verspekuliert. Was aus der Ferne wie ein behäbiger, beunruhigend tief im Wasser liegender Frachter wirkte, war in Wirklichkeit ein mit gewaltiger Feuerkraft ausgestattes Linienschiff. Doch gelang im Schutze der Dunkelheit ein Überraschungsangriff. Während die Wache mit anderem beschäftigt war und der Rest der Besatzung schlief, tat man sich in den reichgefüllten Magazinen gütlich. Durchweg Kunsthandwerk hoher Qualität, das wegen seiner Gewichtigkeit nur mit nicht unerheblichem Aufwand entwendet werden konnte. Dann die Enterhaken gelöst und lautlos in der Nacht verschwunden; es wird nicht der einzige Besuch bleiben. Gern wäre man Patient bei einem Hausarzt, der einen so regelmässig mit einfach verständlichen und gut recherchierten Nachrichten vom anderen Ende der Medizin versorgt. Bemerkenswert auch die ausgewogene und unaufgeregte Impfempfehlung zur Schweinegrippe. Unbedingt lesenswert, regelmässig. Das Flagschiff der eigentlichen Helden der Medizin, der Hausärzte.

Signale

31. Oktober 2009 - Leave a Response

Mit erwartungsvollem Blick lag sie dort, die Haare offen, den Kopf auf dem lasziv angehobenen Arm; flacher Bauch, leichtgerundete Hüften, aus denen jugendliche Beine entsprangen, die weit im Süden lässig übereinandergeschlagen endeten. Ihren Erwartungen folgend, glitt eine Hand über zarte Haut, das Innerste offenbarend. Dazwischen fast schon zufällige Berührungen der Hüften, ein Arm, der sich um eine Taille schlang, Atem, der tiefer wurde. – Schon lässt man wieder voneinander ab, während sie mit spitzen Fingern Klebriges von ihrem Bauch entfernt. Oni soit qui mal y pense: Sonokurs in der Innerschweiz.

Liebeserklärung

29. Oktober 2009 - Eine Antwort

Ich liebe sie; am Morgen, mittags, abends, während der Nacht, zu Zeiten, die man vorher gar nicht kannte, immer. Sie faszinieren und berühren mich, wenn ich mein vorlaut klingelndes Telefon gern im WC versenken würde, ich mit Blut und Urin bespritzt bin, gerade meinen Finger aus einem engen, ranzigen Anus gezogen habe und unmittelbar im Anschluss einem distinguiertem Herrn mit seit Wochen bestehenden Knieschmerzen gegenüber sitze, der sich höflich und in gewähltem Schriftdeutsch, aber nachts gegen 0245 Uhr, nach der Möglichkeit einer kernspitomographischen Schichtbilddarstellung seiner Leidenszone erkundigt. Ich liebe sie, weil sie zu grossem fähig, bettelnd an Ihrem Leben hängend, schliesslich doch in Würde ihren letzten Weg finden. Ich liebe die kleinen schmutzigen Geschichten von persönlichen Niederlagen, triumphalen Erfolgen und alltäglichen Lügen, die sie mir als Mitbringsel lassen. Ich liebe die Patienten, weil sie menschlich sind und mir nichts menschliches fremd ist. – Am Morgen, mittags, abends, während der Nacht und auch zu Zeiten, in denen sie zu Feinden werden.

Fischindustrie

28. Oktober 2009 - 5 Antworten

Auf Jagdfieber folgte Ernüchterung. Nach Vokalanästhesie und Avialle waren die Erwartungen gross, weitere Prisen dieser Güte aufzubringen. Einen Blick über den Tellerrand wagend, wurden fremde Gewässer angelaufen; man versprach sich bei den zahlreichen Rettungsleuten das eine oder andere Spannende zu finden. Und dann wieder und wieder nur klobige Fischtrawler mit glitschigen Decks und miefigen Laderäumen. Am Ruder vollmundige Helden, die uns voll geiferndem Eifer erklärten, wie das Leben wirklich ist; der eine oder andere mit offener Hose, damit schon aus der Ferne sichtbar, wer den Längsten hat. Auf der Brücke nirgends Kapitäne, nur Bootsleute, die sicher waren, jeden Ozean ohne Kompass befahren zu können. Alle Vorurteile bestätigend, die man in diesen Kreisen über unsereinen pflegt, liess man sie und ihren Fisch gern ziehen.

Sysiphos

27. Oktober 2009 - Leave a Response

Interessante Dokumentation über den Alltag in deutschen Spitälern. Man trifft ihn überall den Sohn von Enarete und Aeolos: Link (Youtube-Video)

Avialle

27. Oktober 2009 - 2 Antworten

Sie war war mit anderem beschäftig. Mit ihrem Traum Chirurgin zu werden vielleicht oder mit dem „Hammerexamen“. Jedenfalls hat sie nicht gemerkt wie ihre verträumt in Blau dahinsegelnde Brigantine aufgebracht wurde. Im Laderaum, der auf Grund seiner grossen Klappe nicht zu übersehen war, fanden sich neben reichlich Aufschneiderware etliche Schatzkästchen. Man meinte sich in einem Herbstwald, in dem der Wind nicht durch Blätter, sondern durch Gedanken weht, die wispernd hier und da zu Boden fallen und beim Hindurchlaufen dieses einzigartige herbstliche Geraschel machen. Es ist schön, zu sehen, dass Menschen träumen können – bei Träumen von der Chirurgie für einen begeisterten Schiffsarzt und Kesselflicker sowieso. Beindruckend auch die üppige Flagge mit den überirdisch grünen Augen. Man möchte ihr wünschen, dass sie wirklich wie diese Chimäre aus Engel und Kobold in die Welt schaut. Träume eben.

27. Oktober 2009 - Kommentare deaktiviert für

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