Archive for the ‘prisen’ Category

8er-Tubus
7. April 2011

Lustlos, ohne Erwartungen einen Kurs durch die seichte, flautenreiche See der Bloktorspielchen abgesteckt. Frustriert und aus reiner Boshaftigkeit etliche Fischkutter versenkt, als sich in einer weiten Bucht die schnittigen Linien einer Korvette, die dort vor Anker lag, gegen das Türkis des Wassers abzeichneten. Die einbrechende Dämmerung nutzend, Dunkelheit und den Landgang der kompletten Mannschaft (cave: gendermässige Unschärfe) abgewartet. Sich von See her mit der Gig angenähert, und unbemerkt durch die Stückpforten an Bord gegangen. Kapitänskajüte inspiziert, hier ein Laryngoskop, dort eine Ampulle milchiger Flüssigkeit eingesteckt, ein bischen in himmelblauen Pyjamas gewühlt (gibt es eigentlich Kasak-Fetischisten?), dann leise unter Deck.

Nun war klar, dass sich der Ausflug gelohnt hatte: Mit schwerem Gold beschlagene Truhen voll funkelnder Geschichten, auf dem Boden Gedankensplitter und eine reich bestückte Pulverkammer, die leerzuräumen eine Freude war. Im untersten Deck, an ein Spant gekettet, sanft von innen leuchtend, im Lotussitz eine handbreit über dem Boden schwebend, ein wuschelköpfiger Nackter, der leise vor sich hinsummte, und als er die Eindringlinge bemerkte, eine Passage nach Goa buchen wollte.

213.251.145.96
6. Dezember 2010

Es scheint der Tag gekommen, an dem man IP-Adressen (oder doch zumindest eine) schon aus Prinzip auswendig lernt:

http://213.251.145.96/

Weitaus sinnvoller als die Fähigkeit der fehlerlosen Repetition des Citratzyklus …

Krankomat
19. November 2009

Vor Lachen glatt den ganzen Piratenmist vergessen und Nachtdienst mit Myalgien im Gesicht. Man weiss nicht, was das für ein Schiff ist. Fest steht, einer der besten medizinischen Blogs überhaupt. Es schreibt Premiumpatientin, eine scharfzüngige und genaue Beobachterin des Krankenhausaltages, den sie wohl regelmässig am eigenen Leib erfährt. Man erwartet gespannt den angekündigten Adventskalender, weitere Charakterisierungen von Kleingebietsärzten und fürs Internisten-Bashing gibt es einen Sonderpunkt. Von hohem edukatorischem Wert sind die Artikel zu Superdoc. Mehr davon!

Medizynicus
9. November 2009

Entlang der alten Handelsrouten ist die Chance auf lohnende Prisen am höchsten. So auch diesmal. Sich im Schutz der Morgendämmerung harmlos scheinend angenähert, dann die falsche Flagge flott gestrichen, den Jolly Roger vorgeheisst, Haken über, und der üppig beladene Schoner war in fremder Hand. Den Zyniker auf dem Achterdeck schien dies wenig zu erschüttern, bereitwillig führte er durch reich gefüllte Magazine. Ein bisschen Alltag hier, medizinisches dort und dazwischen stimmungsvolle Reflexionen; man vermutet einen Chirurgen. Wieviele Leben in Bad Dingelskirchen gerettet wurden bleibt im Dunklen, auffällig mit welcher Ausdauer er bereitwilig und über Jahre dort fremden Herren dient. Eine Novelle wurde über diese Zeit verfasst, versandkostenfrei erhältlich als selbstverlegtes Heft. Dem jungen Assistenten als Lektüre zu empfehlen.

Calamitates
3. November 2009

Wer mehr über das Leben deutscher Assistenzärzte wissen möchte, findet auf einem vergnüglichen Youtubekanal mit kreativem Aufwand gedrehte Videos direkt aus der Kampfzone. Wer eher auf Realsatire steht, wird die kleine Serie eines öffentlich rechtlichen Senders mögen, die, vermutlich mal ernstgemeint, voll unfreiwilliger Komik daherkommt.

Monsterdoc
3. November 2009

Vergeblich versuchte sie unter Vollzeug zu entkommen. Bunte windgefüllte Segel, schnittige Linien, Stilelemente verschiedener Epochen, eine Fregatte, die schon viele Meere befahren hat. Auf der Brücke ein kreativer Kapitän, der sich auch für musikalische Ausflüge an den herbstlichen Gestaden des Bodensees nicht zu schade ist. Ein bunter Vogel, der die Niederungen des Heldentums deutscher Hausärzte gut zu kennen scheint. Weniger Monster als listiger Freibeuter mit Kaperbriefen vieler Herren. Auf den Decks barocke Ware, Tand, Kitsch, Dinge von Wert, ironische Kanonen, zynische Kartätschen, kostbare Säbel und hier und da ein filigranes Florett. Ein Schiff, dass regelmässig gekapert werden möchte, wie die Kuh, die man melkt, nicht schlachtet, weil man zwischen all dem Bunten immer wieder vielversprechendes zu finden glaubt.

Landarzt
31. Oktober 2009

Fast schien es, als hätte man sich diesmal gefährlich verspekuliert. Was aus der Ferne wie ein behäbiger, beunruhigend tief im Wasser liegender Frachter wirkte, war in Wirklichkeit ein mit gewaltiger Feuerkraft ausgestattes Linienschiff. Doch gelang im Schutze der Dunkelheit ein Überraschungsangriff. Während die Wache mit anderem beschäftigt war und der Rest der Besatzung schlief, tat man sich in den reichgefüllten Magazinen gütlich. Durchweg Kunsthandwerk hoher Qualität, das wegen seiner Gewichtigkeit nur mit nicht unerheblichem Aufwand entwendet werden konnte. Dann die Enterhaken gelöst und lautlos in der Nacht verschwunden; es wird nicht der einzige Besuch bleiben. Gern wäre man Patient bei einem Hausarzt, der einen so regelmässig mit einfach verständlichen und gut recherchierten Nachrichten vom anderen Ende der Medizin versorgt. Bemerkenswert auch die ausgewogene und unaufgeregte Impfempfehlung zur Schweinegrippe. Unbedingt lesenswert, regelmässig. Das Flagschiff der eigentlichen Helden der Medizin, der Hausärzte.

Fischindustrie
28. Oktober 2009

Auf Jagdfieber folgte Ernüchterung. Nach Vokalanästhesie und Avialle waren die Erwartungen gross, weitere Prisen dieser Güte aufzubringen. Einen Blick über den Tellerrand wagend, wurden fremde Gewässer angelaufen; man versprach sich bei den zahlreichen Rettungsleuten das eine oder andere Spannende zu finden. Und dann wieder und wieder nur klobige Fischtrawler mit glitschigen Decks und miefigen Laderäumen. Am Ruder vollmundige Helden, die uns voll geiferndem Eifer erklärten, wie das Leben wirklich ist; der eine oder andere mit offener Hose, damit schon aus der Ferne sichtbar, wer den Längsten hat. Auf der Brücke nirgends Kapitäne, nur Bootsleute, die sicher waren, jeden Ozean ohne Kompass befahren zu können. Alle Vorurteile bestätigend, die man in diesen Kreisen über unsereinen pflegt, liess man sie und ihren Fisch gern ziehen.

Avialle
27. Oktober 2009

Sie war war mit anderem beschäftig. Mit ihrem Traum Chirurgin zu werden vielleicht oder mit dem „Hammerexamen“. Jedenfalls hat sie nicht gemerkt wie ihre verträumt in Blau dahinsegelnde Brigantine aufgebracht wurde. Im Laderaum, der auf Grund seiner grossen Klappe nicht zu übersehen war, fanden sich neben reichlich Aufschneiderware etliche Schatzkästchen. Man meinte sich in einem Herbstwald, in dem der Wind nicht durch Blätter, sondern durch Gedanken weht, die wispernd hier und da zu Boden fallen und beim Hindurchlaufen dieses einzigartige herbstliche Geraschel machen. Es ist schön, zu sehen, dass Menschen träumen können – bei Träumen von der Chirurgie für einen begeisterten Schiffsarzt und Kesselflicker sowieso. Beindruckend auch die üppige Flagge mit den überirdisch grünen Augen. Man möchte ihr wünschen, dass sie wirklich wie diese Chimäre aus Engel und Kobold in die Welt schaut. Träume eben.

Vokalanästhesie
26. Oktober 2009

Endlich. Der Nebel hatte sich gelichtet und am Horizont war ein harmlos scheinender Kutter auszumachen. Nach dem einen oder anderen nautischen Kniff, sich gut in Luv positioniert, Schuss vor den Bug, Prisenkommando Richtung des kleinen widerspenstigen, aber nun beigedrehten, Flitzers ausgesetzt, wartete unter Deck eine Überraschung: Im medizinischen Einerlei und lauwarmen Blabla der Blogosphäre tatsächlich fotlaufende Zeilen, die zu lesen, multiple supranasale Sensationen auszulösen in der Lage sind. Nur durchschnittlich ausgestattet, wünscht man sich ein Organ, dass zu ähnlichen Raubzügen im Land von Phantasie, feinem Spott und fortgeschrittener Alltagsbetrachtung in der Lage ist. Neugierig vom rutschigen Deck bis in die Bilge den Skipper gesucht. Leider nur hier und da ein nicht verräumter persönlicher Gegenstand, der wenig über ihn verriet. Man wird den Verdacht nicht los, solch ein feines Florett könne nur von einer Frau geführt werden und bekommt dies beim Stöbern in ihrem Schapp bestätigt; wer sonst trägt bitte auf See Unterwäsche? Man möchte sie gern kennenlernen.