8er-Tubus

7. April 2011 - Leave a Response

Lustlos, ohne Erwartungen einen Kurs durch die seichte, flautenreiche See der Bloktorspielchen abgesteckt. Frustriert und aus reiner Boshaftigkeit etliche Fischkutter versenkt, als sich in einer weiten Bucht die schnittigen Linien einer Korvette, die dort vor Anker lag, gegen das Türkis des Wassers abzeichneten. Die einbrechende Dämmerung nutzend, Dunkelheit und den Landgang der kompletten Mannschaft (cave: gendermässige Unschärfe) abgewartet. Sich von See her mit der Gig angenähert, und unbemerkt durch die Stückpforten an Bord gegangen. Kapitänskajüte inspiziert, hier ein Laryngoskop, dort eine Ampulle milchiger Flüssigkeit eingesteckt, ein bischen in himmelblauen Pyjamas gewühlt (gibt es eigentlich Kasak-Fetischisten?), dann leise unter Deck.

Nun war klar, dass sich der Ausflug gelohnt hatte: Mit schwerem Gold beschlagene Truhen voll funkelnder Geschichten, auf dem Boden Gedankensplitter und eine reich bestückte Pulverkammer, die leerzuräumen eine Freude war. Im untersten Deck, an ein Spant gekettet, sanft von innen leuchtend, im Lotussitz eine handbreit über dem Boden schwebend, ein wuschelköpfiger Nackter, der leise vor sich hinsummte, und als er die Eindringlinge bemerkte, eine Passage nach Goa buchen wollte.

213.251.145.96

6. Dezember 2010 - Leave a Response

Es scheint der Tag gekommen, an dem man IP-Adressen (oder doch zumindest eine) schon aus Prinzip auswendig lernt:

http://213.251.145.96/

Weitaus sinnvoller als die Fähigkeit der fehlerlosen Repetition des Citratzyklus …

Dicke Eier

1. Dezember 2010 - 2 Antworten

Ein wahrer Held, der tapfer den strahlenden Schild der Anästhesie mit dem Holzhammer verteidigt. Man hätte gelassene Souveränität erwartet, vielleicht weise Einsichten hier und da. Stattdessen selbstgefällige Attitude und – natürlich – feingedrechselte, hochdifferenzierte Worte über Hausärzte. Mir graut mein Held.

Kurz gewürztes Standgericht

1. Dezember 2010 - 2 Antworten

Das war wohl nichts mit Würze in Kürze. Wohl auch, weil selbst ein Herz aus Stein, sich schwer tut, über andere zu urteilen. Andererseits hat die Welt nicht auf jeden bloggenden Arzt gewartet (nicht unbedingt auch auf den Tor dieses Blogs). Dennoch tun wir es, meist als Selbstreinigung und Therapie, so scheint es. Anders ist der oft selbstgefällige und entlarvende Wust ungeübter Zeilen nicht zu erklären, auf den der interessierte Leser stösst. Über Geschmack lässt sich streiten, über die Sicht der Welt durch ein Astloch auch. Nicht jeder mit Sendungsbewusstsein ist ein grosser Dichter (und Denker); keinem möchte man verbieten, was er tut, aber nicht kann. Nach 5 Flaschen Rum dann der Entschluss, zumindest diejenigen der gerechten Strafe zuzuführen, die sich folgender Vergehen schuldig machen:

  1. Selbstgefälligkeit
  2. Selbstgefälligkeit
  3. Hausarztbashing

Das Urteil ergeht durch ein Standgericht und wird sofort vollstreckt. Ein Recours ist nicht vorgesehen.

Im Auge des Betrachters

17. August 2010 - Leave a Response

Ironie liege im Auge des Betrachters, so sagt man, und meint damit eigentlich das Ohr. Damit es dem Helden dieses Journals gewogen bleibt, hat er die grelle Attitüde des Piraten gegen die des ambivalenten Kobolds, des gefürchteten blinden Passagiers in der Bilge, getauscht. Mag die Flagge auch gewechselt haben, der Kurs bleibt doch gleich.

Krankomat

19. November 2009 - 2 Antworten

Vor Lachen glatt den ganzen Piratenmist vergessen und Nachtdienst mit Myalgien im Gesicht. Man weiss nicht, was das für ein Schiff ist. Fest steht, einer der besten medizinischen Blogs überhaupt. Es schreibt Premiumpatientin, eine scharfzüngige und genaue Beobachterin des Krankenhausaltages, den sie wohl regelmässig am eigenen Leib erfährt. Man erwartet gespannt den angekündigten Adventskalender, weitere Charakterisierungen von Kleingebietsärzten und fürs Internisten-Bashing gibt es einen Sonderpunkt. Von hohem edukatorischem Wert sind die Artikel zu Superdoc. Mehr davon!

Absicherungsmedizin

13. November 2009 - Leave a Response

Labor, CT, Hospitalisation – man ist ja gründlich, hat die Sicherheit des Patienten stets im Blick. Wenn er dann etwas anderes will, nach Haus, kein Röntgen, kein Labor, kein garnichts, meint man ihn bewahren zu müssen vor seiner Unvernunft. Muss man wirklich? Sind Erwachsene nicht fähig, verantwortliche Entscheidungen zu treffen, wenn man ihnen die nötigen Informationen zur Verfügung stellt? Weiss der Arzt es besser? Muss man unbedingt verhindern, dass ein Mensch Achilles folgt – kurz und intensiv, dramatisches Ende nicht ausgeschlossen? Ist pragmatisches Begleiten menschlicher Unvernunft nicht die eigentliche Kunst? Machen wir nicht vieles nur, um uns abzusichern? Um auf keinen Fall „schuld“ zu sein an irgendetwas?

Kielholen

11. November 2009 - Leave a Response

Blogs sind eine bahnbrechende Erfindung. Was wäre ein verregneter Vormittag vor einem Spätdienst ohne sie. Endlich kann man an den Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz in Echtzeit teilhaben. Was wären wir ohne das Wissen über die Fernsehgewohnheiten bloggender Ärzte, ihre psychotischen Gedanken am Morgen nach dem Nachtdienst, ihre flachen Emotionen. Täglich wird bestätigt, dass es sich auch nur um kleinliche, schwitzende Menschen handelt. Von weisser Weste keine Spur, nochweniger von Göttern. Wer denken kann, wusste das zwar vorher, wer nur des Lesens mächtig, weiss seit dem Boom des Web 2.0 nun voll Bescheid. Zurück in die Welt davor möchte man nicht, aber hat man schlecht geschlafen oder gären Gase im Gedärm, verursachen bloggende Kollegen, Sanitäter, Pfleger, Therapeuten nicht selten unendlich Übelkeit, vielleicht greift man auch zur Nierenschale. Den guten Willen zur Sicht des Positiven hat man nun unter Beweis gestellt (Prisen), in Zukunft soll es auch an Polemischem nicht fehlen (Kielgeholt).

Medizynicus

9. November 2009 - Leave a Response

Entlang der alten Handelsrouten ist die Chance auf lohnende Prisen am höchsten. So auch diesmal. Sich im Schutz der Morgendämmerung harmlos scheinend angenähert, dann die falsche Flagge flott gestrichen, den Jolly Roger vorgeheisst, Haken über, und der üppig beladene Schoner war in fremder Hand. Den Zyniker auf dem Achterdeck schien dies wenig zu erschüttern, bereitwillig führte er durch reich gefüllte Magazine. Ein bisschen Alltag hier, medizinisches dort und dazwischen stimmungsvolle Reflexionen; man vermutet einen Chirurgen. Wieviele Leben in Bad Dingelskirchen gerettet wurden bleibt im Dunklen, auffällig mit welcher Ausdauer er bereitwilig und über Jahre dort fremden Herren dient. Eine Novelle wurde über diese Zeit verfasst, versandkostenfrei erhältlich als selbstverlegtes Heft. Dem jungen Assistenten als Lektüre zu empfehlen.

"Medizin"

4. November 2009 - Eine Antwort

Vorurteile sind hartnäckig. Besonders persistent sind jene über mit detailierten differentialdiagnostischen Listen hantierende Theoretiker, die ihr Fach gern „Medizin“ nennen. Bevorzugt werden grosse und kleine Problemchen versessen „abgeklärt“; was den Alltag des Patienten nicht stört und harmlos scheint, könnte schliesslich eine wichtige (vermutlich nicht heilbare) Pathologie sein. Nachdem in der Enge des Stationsbüros mit grellen Farben breiter Stifte Befundbögen und Vorberichte coloriert, verlässt man nach niemals endender Fleissarbeit bedeutungsschwer Station und Spital, um früh am Morgen wieder kandiertes und hydraulisches zurechtzurücken. Dem schliesslich gnädig Entlassenen werden lange Medikamentenlisten und kluge Worte für den Hausarzt eingepackt. Schade nur, dass dem Patienten am häuslichen Frühstückstisch schon nach Arznei Nummer zwei der Appetitt vergeht. Der Hausarzt, motiviert und bestrebt den stationären Eierköpfen zu Diensten zu sein, arbeitet schwitzend (wissend um die fehlende Konsequenz) die Liste der ambulanten Kontrollen ab und übersetzt die Krankenhausapotheke in alltagstaugliche Pharmakologie. Wenn der Kreis sich schliesst, der Patient „entgleist“ und hospitalisiert wieder seinen Internisten gegenübertritt, werden diese nicht versäumen, sich auf hohem intellektuellen Niveau mit Witzchen über die Kompetenz des Hausarztes zu erheitern. „Medizin“ ist etwas anderes.