In Bayern spitzt sich derzeit zu, was lange auf den Näglen brennt: die Situation der Hausärzte.
Die für Januar geplante Ausstiegs-Entscheidung wurde auf den 22.12.10 vorgezogen. Grund war eine Eskalation der AOK, die androhte, die bestehenden Hausarztverträge einseitig auf Mitte Januar zu kündigen, so man nicht das Ausstiegsszenario abblase. Der Bayerische Hausärztverband hat daraufhin die Abstimmung auf den 22. 12.10 vorverlegt. Es folgten hysterische Drohgebärdchen (“ungesetzlich”, “kein zurück”) seitens AOK und der bayerischen Staatsregierung (“wer draussen ist, ist draussen”) bzw. ihres Gesundheitsministers (dessen Namen einem leider entfallen ist). Nebenbefundlich ist interessant, dass es aus dem Jahr 2009 hier (bei 5:20) ein Video gibt, in dem er mit vor Pathos bebender Stimme verspricht, dass die Verträge, die der Kern der derzeitigen Eskalation sind, nicht angetastet werden (wie gesagt bei 5:20).
Heute hat die AOK nun endgültig die Nerven verloren und die Hausarztverträge fristlos gekündigt. Ob diese Dinge rechtmässig sind, fragt man sich garnicht mehr, weil man gewöhnt ist, dass die Krankenkassen geltendes Recht immer nur bei den anderen einfordern. Was man sich aber fragt, ist, warum die AOK den bayerischen Hausärzten gleich zweifach in die Hände spielt: Zum einen hat kein bayerischer Hausarzt nunmehr einen rationalen Grund, im bestehenden KV-System zu bleiben, zum anderen fordert eine derartige Vorgehensweise emotional enorm heraus, es denen endlich mal zu zeigen. Es wird wohl eine heisse Weihnacht, die allen Schnee schmilzen lässt.
Bleibt noch die Frage, warum diese komplizierte Materie, derart vereinfacht, in diesem Blog, der sich doch sonst nur mit seichten Themen beschäftigt. Die Antwort ist einfach: Es bahnt sich nächste Woche eine Entscheidung an, die für das gesamte deutsche Gesundheitssystem in den nächsten Jahren bestimmend sein wird – was auch der Grund sein dürfte, warum Kassenfunktionären und Politikern der Angstschweiss auf der Stirn glänzt. Bekommt Admiral Hoppenthaller am 22.12.10 eine gesunde Mehrheit für den Ausstieg, werden die bayerischen Hausärzte im Verlauf des nächsten Jahres aus der SGB- in die BGB-Welt umziehen. Was so bürokratisch klingt, wird real den ärztlichen Alltag revolutionieren und das Kräfteverhältnis umkehren (die Hintergründe sind hier gut erklärt). Gelingt der Ausstieg am 22.12.10 nicht (vielleicht sind deutsche Ärzte lieber Untertanen als freie Bürger), wird der Niedergang und das Aussterben der Hausärzte damit besiegelt sein. Darüber hinaus werden die Krankenkassen und die Politik lernen, dass sie mit Ärzten alles machen können (soweit sie das nicht schon wissen).
Zum Schluss noch ein Tip für die vielen Politiker, die diesen Blog lesen: Auf einen Hausarzt kommen mehrere tausend Patienten als Multiplikatoren. Wie das aussehen könnte, sieht man hier. Frohe Weihnachten!