8er-Tubus

7. April 2011 - Schreibe eine Antwort

Lustlos, ohne Erwartungen einen Kurs durch die seichte, flautenreiche See der Bloktorspielchen abgesteckt. Frustriert und aus reiner Boshaftigkeit etliche Fischkutter versenkt, als sich in einer weiten Bucht die schnittigen Linien einer Korvette, die dort vor Anker lag, gegen das Türkis des Wassers abzeichneten. Die einbrechende Dämmerung nutzend, Dunkelheit und den Landgang der kompletten Mannschaft (cave: gendermässige Unschärfe) abgewartet. Sich von See her mit der Gig angenähert, und unbemerkt durch die Stückpforten an Bord gegangen. Kapitänskajüte inspiziert, hier ein Laryngoskop, dort eine Ampulle milchiger Flüssigkeit eingesteckt, ein bischen in himmelblauen Pyjamas gewühlt (gibt es eigentlich Kasak-Fetischisten?), dann leise unter Deck.

Nun war klar, dass sich der Ausflug gelohnt hatte: Mit schwerem Gold beschlagene Truhen voll funkelnder Geschichten, auf dem Boden Gedankensplitter und eine reich bestückte Pulverkammer, die leerzuräumen eine Freude war. Im untersten Deck, an ein Spant gekettet, sanft von innen leuchtend, im Lotussitz eine handbreit über dem Boden schwebend, ein wuschelköpfiger Nackter, der leise vor sich hinsummte, und als er die Eindringlinge bemerkte, eine Passage nach Goa buchen wollte.

Wort zum Sonntag

27. März 2011 - Schreibe eine Antwort

Bitte schön: Nachdenkseiten zum Thema Gesundheitsökonomie

Privatsphäre ist sowas von eighties …

10. März 2011 - Eine Antwort

… sagt Julia Schramm vom Spackeria-Blog bei Spiegel Online (ja die Überschrift ist geklaut, aber Plagiate sind ja im Trend). Das Interview mag zunächst provozierend klingen und erscheint doch nur folgerichtig. Die Debatte um den Datenschutz ist schon lange Schattenboxen alter Herren, schafft die Realität doch zunehmend unumkehrbare Fakten.

Ein niedlicher USB-Stick am Schlüsselbund genügt, um die komplette Patientenkartei einer Praxis oder das Archiv eines Spitals unauffällig und mit verbindlichem Lächeln bei Feierabend zu entwenden. Mit ausgefeilten Sicherheitsmechanismen mag man den einen oder anderen Gelegenheitsdatendieb abhalten, den Profi niemals mehr. Da helfen weder Verbote, noch das beflissene Geschrei der Datenschützer – von medienwirksamen Kündigungen des Facebookaccounts durch Ministerinnen ganz zu schweigen. Die viel beschworene “Post-privacy-Ära” hat längst begonnen.

Die einzige logische Konsequenz heisst rational und im Vorfeld zu entscheiden, welche Daten überhaupt erhoben werden und und an wen sie weitergegeben werden.

Das fängt bei der Anamnese an. Anakastischer Dokumentationsfetischismus wirkt schnell zum Schaden des Patienten. In welchem Ausmass ist vorher nicht absehbar. Daten, die es nicht gibt, können auch nicht missbräuchlich verwendet werden.

Grobe Fahrlässigkeit ist jedoch die Anbindung von Patientendaten an das Internet, oder gar die von der KV installierten Datenverbindungen. In die alte Papier-Welt übertragen, ist das wie wenn die Tür zum KG-Archiv zwar zu, aber nicht verschlossen ist. Jeder der neugierig genug und in der Lage ist die Klinke zu drücken kann stöbern gehen.

Deswegen überzeugen auch alle bisher präsentierten E-Card-Konzepte nicht. Besonders nicht die, mit zentralen Servern. Wenn es nicht mal die Banken schaffen, Datenklau zu verhindern, werden die Krankenkassen und die Hobby-IT-Spezialisten der KV erst recht keine Sicherheit bieten können.

Das Besondere des Netzes ist gerade die einfache, orts- und zeitunabhängige Verfügbarkeit von Information. Der Datenschutz von gestern ist deshalb nicht tauglich für die Welt von morgen. Verbote werden die vertraute Privatheit nicht zurückbringen. Was bleibt ist der überlegte Umgang mit den eigenen und mit den Daten anderer. Je weniger Patientendaten wir erzeugen, desto weniger müssen auch geschützt werden. E-Cards und mächtige Server braucht niemand. Im übrigen, wer gern privat ist, hat sowieso keinen Facebook-Account.

Meinungssammelsurium

14. Februar 2011 - Schreibe eine Antwort

Die Zeiten ändern sich, manchmal sieht man mit Bedauern zu. Einst eine vertrauenswürdige und hochwertige Quelle für jeden, den unabhängig von seiner Weltanschauung Netzpolitik interessierte, wird netzpolitik.org mehr und mehr zum Meinungssammelsurium seiner Autoren. Das jüngste Beispiel reiht sich nahtlos in die Zeichen der eigentümlichen Wandlung dieses Blogs ein. Man scheint die wichtigste Regel des Journalismus, dass man sich nämlich nicht mit einer Sache gemein macht, und sei sie noch so ehrenwert, mehr und mehr vergessen zu haben. Der Autor behauptet zwar (in Kommentar 55), das sei schon immer so gewesen, gleichwohl nahm der einäugige bisher gewogene Leser es anders wahr. Drum ist die Sache auch ohne Hausarztbashing klar: kielholen!

Ohne Worte

29. Januar 2011 - Schreibe eine Antwort

(Schweizerische Ärztezeitung 19.01.11)

Notruf 113

7. Januar 2011 - 2 Antworten

Ganze Uniklinika zu privatisieren scheint reichlich Zündstoff zu bergen. Hintergründe kann der Interessierte bei Notruf 113 verfolgen. Die Besatzung scheint ein bunter und streitbarer Haufen aus Ärzten, Patienten und Pflege zu sein. Betreiber der genannten Kliniken sind die Rhön AG, bei denen übrigens einer der einflussreichsten Gesundheitspolitiker Deutschlands im Aufsichtsrat sitzt und darin keinen Interessenskonflikt sieht. Die hinter dem Blog stehende Initiative scheint dem mächtigen Gegenspieler mehr und mehr lästig zu werden. So sollen Mitglieder, die sich in Presse, Rundfunk oder Fernsehen kritisch geäussert hatten, Unterlassungsverfügungen erhalten haben. Wenn die Argumente knapp werden, schickt man eben die Juristen. Oder man hatte vergessen vorher diesen Wikipedia-Artikel zu konsultieren.

Game over

2. Januar 2011 - Eine Antwort

Eine Entscheidungsschlacht war der 22.12.10 für die Hausärzte tatsächlich. Allerdings war Hoppenthaller nicht Nelson, sondern Villeneuve: rund 40% der bayerischen Hausärzte wollte die Kassenzulassung zurückgeben – 60% lieber nicht. Damit ist das Spiel vorbei. Hoppenthaller ist von allen Ämtern zurückgetreten, Politik und Krankenkassen haben die Treibjagd auf die Hausärzte eröffnet.

Für jeden, der jetzt glaubt, 40% seien ein Anfang und das nächste Mal klappe es dann: Es wird kein nächstes Mal geben. Der bayerische Hausärzteverband war mit seinem listigen und charismatischen Vorsitzenden sowie rund 7000 streitbaren (zumindest 40% …) Mitgliedern sicher die am besten organisierte Interessenvetretung der niedergelassenen Ärzte in Deutschland. Die anderen werden es sowieso nicht wagen und bis die Bayern nach der Niederlage wieder gerüstet sind, haben Politik und Krankenkassen effektive Gegenmassnahmen installiert.

Was bleibt ist ein weiteres bestechendes Indiz, dass deutsche Ärzte in Wahrheit Lemminge sind. Man wünscht ihnen fassungslos einen guten Flug.

AOK verliert die Nerven

16. Dezember 2010 - Schreibe eine Antwort

In Bayern spitzt sich derzeit zu, was lange auf den Näglen brennt: die Situation der Hausärzte.

Die für Januar geplante Ausstiegs-Entscheidung wurde auf den 22.12.10 vorgezogen. Grund war eine Eskalation der AOK, die androhte, die bestehenden Hausarztverträge einseitig auf Mitte Januar zu kündigen, so man nicht das Ausstiegsszenario abblase. Der Bayerische Hausärztverband hat daraufhin die Abstimmung auf den 22. 12.10 vorverlegt. Es folgten hysterische Drohgebärdchen (“ungesetzlich”, “kein zurück”) seitens AOK und der bayerischen Staatsregierung (“wer draussen ist, ist draussen”) bzw. ihres Gesundheitsministers (dessen Namen einem leider entfallen ist). Nebenbefundlich ist interessant, dass es aus dem Jahr 2009 hier (bei 5:20) ein Video gibt, in dem er mit vor Pathos bebender Stimme verspricht, dass die Verträge, die der Kern der derzeitigen Eskalation sind, nicht angetastet werden (wie gesagt bei 5:20).

Heute hat die AOK nun endgültig die Nerven verloren und die Hausarztverträge fristlos gekündigt. Ob diese Dinge rechtmässig sind, fragt man sich garnicht mehr, weil man gewöhnt ist, dass die Krankenkassen geltendes Recht immer nur bei den anderen einfordern. Was man sich aber fragt, ist, warum die AOK den bayerischen Hausärzten gleich zweifach in die Hände spielt: Zum einen hat kein bayerischer Hausarzt nunmehr einen rationalen Grund, im bestehenden KV-System zu bleiben, zum anderen fordert eine derartige Vorgehensweise emotional enorm heraus, es denen endlich mal zu zeigen. Es wird wohl eine heisse Weihnacht, die allen Schnee schmilzen lässt.

Bleibt noch die Frage, warum diese komplizierte Materie, derart vereinfacht, in diesem Blog, der sich doch sonst nur mit seichten Themen beschäftigt. Die Antwort ist einfach: Es bahnt sich nächste Woche eine Entscheidung an, die für das gesamte deutsche Gesundheitssystem in den nächsten Jahren bestimmend sein wird – was auch der Grund sein dürfte, warum Kassenfunktionären und Politikern der Angstschweiss auf der Stirn glänzt. Bekommt Admiral Hoppenthaller am 22.12.10 eine gesunde Mehrheit für den Ausstieg, werden die bayerischen Hausärzte im Verlauf des nächsten Jahres aus der SGB- in die BGB-Welt umziehen. Was so bürokratisch klingt, wird real den ärztlichen Alltag revolutionieren und das Kräfteverhältnis umkehren (die Hintergründe sind hier gut erklärt). Gelingt der Ausstieg am 22.12.10 nicht (vielleicht sind deutsche Ärzte lieber Untertanen als freie Bürger), wird der Niedergang und das Aussterben der Hausärzte damit besiegelt sein. Darüber hinaus werden die Krankenkassen und die Politik lernen, dass sie mit Ärzten alles machen können (soweit sie das nicht schon wissen).

Zum Schluss noch ein Tip  für die vielen Politiker, die diesen Blog lesen: Auf einen Hausarzt kommen mehrere tausend Patienten als Multiplikatoren. Wie das aussehen könnte, sieht man hier. Frohe Weihnachten!

213.251.145.96

6. Dezember 2010 - Schreibe eine Antwort

Es scheint der Tag gekommen, an dem man IP-Adressen (oder doch zumindest eine) schon aus Prinzip auswendig lernt:

http://213.251.145.96/

Weitaus sinnvoller als die Fähigkeit der fehlerlosen Repetition des Citratzyklus …

Showdown

4. Dezember 2010 - Schreibe eine Antwort

Trafalgar liegt dieser Tage an der Pegnitz. In Nürnberg am 26. Januar 2011 um genau zu sein.

Mit der undifferenzierten Gewissheit des privilegierten, ausser Schussweite kreuzenden Beobachters fragt man, wann deutsche Ärzte sich aus der Blockade durch Politik, Kassen und die eigenen Verbände befreien. Irritiert liest der Interessierte seit Jahren Forderungen nach “Erhalt des KV-Systems” und erinnert sich dabei an “die Kuh, die auch noch auf dem Weg zur Schlachtbank glaubt, sie und der Metzger seien ein Team” (Zitat von Dienstarzt).

Eine Körperschaft öffentlichen Rechts, an Weisungen von Königin und Patriziat gebunden, soll die Interessen der Ärzte durchsetzen? Eine Vereinigung gar, die für ein nicht zu durchschauendes Abrechungssystem, unsägliche Bürokratie und Witzhonorare verantwortlich ist?

Man muss weder Bayern mögen, noch Hausärzte, noch eine Kombination aus beiden – eines kann man dort aber lernen: Wenn sich Ärzte auf der Ebene ihrer Interessen ohne jede Ideologie zusammentun, geht etwas. Dass die Gegner einer selbstbewussten Ärzteschaft reagieren und die direkt (an der KV vorbei) den Kassen abgerungenen Hausarztverträge über das 3274. Reformgesetz zum Gesundheitswesen versenken, unterstreicht diesen Eindruck. Und es zeigt vor allem eines: Es hilft keiner, wenn man es nicht selbst tut. Im Gegenteil, sie werden Frau für Mann kielholen und bis ans Ende ihrer Tage auf einer einsamen Insel ausetzen.

Eine Chance jedoch bleibt, nämlich die, in Nürnberg am 26. Januar 2011 aus dem KV-System auszusteigen und alles weitere mit den Kassen direkt zu verhandeln (s0 wie die Piloten mit der Lufthansa). Es ist kein Pathos von der Entscheidungsschlacht der niedergelassenen Ärzte in Deutschland zu sprechen. Denn wenn der Ausstieg scheitert, wird es auf absehbare Zeit keine zweite Chance mehr geben. Das Hamsterrad aber wird sich bis zur Rente weiterdrehen.

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